Warum Wärmenetzbetreiber jetzt belastbare Zustandsdaten brauchen – RK Droneview
Warum Wärmenetzbetreiber jetzt belastbare Zustandsdaten brauchen – nicht erst beim nächsten Schaden
Wärmenetze gelten als robuste und vergleichsweise wartungsarme Infrastruktur. Ein großer Teil der Leitungen liegt unter der Erde und ist im laufenden Betrieb kaum sichtbar. Solange die Wärme beim Kunden ankommt, gibt es zunächst wenig Anlass, einzelne Trassenabschnitte genauer zu betrachten.
Genau das kann langfristig zum Problem werden. Denn Wärmeverluste, Auffälligkeiten an der Dämmung oder beginnende Schäden sind von außen nicht ohne Weiteres erkennbar. Wer den Zustand seines Netzes beurteilen will, braucht deshalb belastbare Daten statt Annahmen.
Der gesetzliche Rahmen erhöht den Bedarf an belastbaren Daten
Mit dem Wärmeplanungsgesetz gewinnt eine belastbare Datengrundlage zusätzlich an Bedeutung. Für die kommunale Wärmeplanung werden bestehende Energieinfrastrukturen systematisch erfasst.
Gleichzeitig verpflichtet das Gesetz Wärmenetzbetreiber unter bestimmten Voraussetzungen zur Erstellung von Wärmenetzausbau- und Dekarbonisierungsfahrplänen. Darin muss unter anderem der Ist-Zustand des bestehenden Wärmenetzes dargestellt werden.
Für Betreiber bedeutet das: Je besser der eigene Bestand dokumentiert ist, desto fundierter lassen sich Ausbau, Transformation und Investitionen planen.
Auch bei der Förderung zählt der dokumentierte Ist-Zustand
Auch im Rahmen der Bundesförderung für effiziente Wärmenetze spielt die Bestandsaufnahme eine wichtige Rolle. Bei Transformationsplänen für bestehende Wärmenetze fordert das BAFA eine IST-Analyse. Dazu gehören beispielsweise Angaben zu:
- Netzart
- Rohrleitungen und Dimensionen
- Leitungslängen
- Dämmstandard
- Druck- und Temperaturniveaus
Eine thermografische Befliegung ersetzt diese technische Bestandsaufnahme nicht. Sie kann sie jedoch um räumlich zugeordnete Informationen zu thermischen Auffälligkeiten entlang der Trasse ergänzen.
Gerade dort, wo Bestandsunterlagen lückenhaft sind oder der tatsächliche Zustand von den Planunterlagen abweicht, kann diese zusätzliche Datengrundlage hilfreich sein.
Wie viel Wärme tatsächlich verloren geht
Wie unterschiedlich Wärmenetze arbeiten, zeigt eine Erhebung der Deutschen Umwelthilfe aus dem Jahr 2022. Ausgewertet wurden Daten von 75 Wärmenetzen unterschiedlicher Größe in Deutschland. Der Median der angegebenen Netzverluste lag bei 12,4 Prozent. Die gemeldeten Werte reichten von 1 Prozent bis 42,8 Prozent.
Über alle betrachteten Netze wurden rund 70 Terawattstunden Wärme eingespeist. Davon gingen 11,6 Terawattstunden im Netz verloren. Das entspricht rund 16,6 Prozent.
Seit Oktober 2021 müssen Fernwärmeversorgungsunternehmen ihre jährlichen Netzverluste veröffentlichen. Maßgeblich ist dabei die Differenz zwischen der in das Wärmenetz eingespeisten und der nutzbar abgegebenen Wärmemenge.
Die Ursachen für Netzverluste sind vielfältig. Wärmebedarfsdichte, Dämmstandard, Betriebstemperaturen, Leitungsalter und Rohrdimensionen wirken zusammen. Ein Branchenmittelwert sagt deshalb wenig darüber aus, an welchen Stellen im eigenen Netz tatsächlich Handlungsbedarf besteht.
Was thermografische Befliegung sichtbar machen kann
Wärmeverluste, Auffälligkeiten an der Dämmung oder Leckagen können sich unter geeigneten Bedingungen als thermische Anomalien an der Oberfläche zeigen. Eine thermografische Befliegung ermöglicht es, solche Auffälligkeiten entlang der Trasse systematisch zu erfassen und räumlich zuzuordnen.
Dabei ist wichtig: Eine thermische Auffälligkeit ist zunächst ein Hinweis und noch kein abschließender Schadensnachweis. Die Bewertung hängt unter anderem ab von:
- Leitungstiefe
- Bodenaufbau
- Oberflächenbeschaffenheit
- Witterung und Feuchtigkeit
- Betriebszustand des Netzes
Der eigentliche Mehrwert entsteht deshalb nicht durch ein einzelnes Wärmebild. Entscheidend ist die strukturierte und georeferenzierte Erfassung der Trasse. Auffällige Bereiche können dokumentiert, priorisiert und bei Bedarf gezielt weiter untersucht werden.
Wird die Befliegung in regelmäßigen Abständen wiederholt, entsteht zusätzlich eine vergleichbare Datengrundlage. Veränderungen lassen sich über mehrere Inspektionszyklen nachvollziehen, anstatt bei jeder Untersuchung wieder bei null zu beginnen.
Vom Einzelbefund zur Zustandsdatengrundlage
Aus unserer bisherigen Projektpraxis zeigt sich ein wesentlicher Vorteil: Auch größere Trassenabschnitte lassen sich systematisch erfassen, ohne in den laufenden Netzbetrieb einzugreifen.
Für Betreiber kann daraus eine zusätzliche Entscheidungsgrundlage für Instandhaltung und Investitionsplanung entstehen. Gleichzeitig lassen sich auffällige Bereiche gezielter priorisieren und vorhandene Bestandsdaten ergänzen.
Eine belastbare Datengrundlage wird damit aus mehreren Gründen wichtiger:
- für die Instandhaltung
- für Investitionsentscheidungen
- für Transformationsplanungen
- für den wirtschaftlichen Betrieb des Netzes
RK Droneview führt thermografische Drohneninspektionen von Wärmenetzen durch und liefert strukturierte, georeferenzierte und reproduzierbare Zustandsdaten. Ziel ist nicht das einzelne Wärmebild, sondern eine Datengrundlage, mit der Betreiber arbeiten und Entwicklungen über längere Zeiträume nachvollziehen können.
Quellen
- Gesetz für die Wärmeplanung und zur Dekarbonisierung der Wärmenetze (Wärmeplanungsgesetz), insbesondere § 15 sowie § 32 in Verbindung mit Anlage 3
- Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA), Bundesförderung für effiziente Wärmenetze (BEW), Merkblatt zu den technischen Anforderungen an einen Transformationsplan
- Deutsche Umwelthilfe e. V., Hintergrundpapier „Netzverluste in Wärmenetzen“, 2022
- Verordnung über Allgemeine Bedingungen für die Versorgung mit Fernwärme (AVBFernwärmeV), § 1a Abs. 2
- Eigene Projekterfahrung RK Droneview
Passende Leistungen
- Thermografische Drohneninspektion von Wärmenetzen und Fernwärmetrassen
- Georeferenzierte Zustandsberichte und Trassendokumentation
- Wiederkehrende Inspektionszyklen für vergleichbare Zustandsdaten